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Trotz Rente! 1,45 Millionen Deutsche arbeiten weiter

Immer mehr Deutsche bleiben nach dem Renteneintritt nicht daheim, sondern arbeiten weiter. Gründe dafür gibt es viele: Eine Aufgabe behalten, mal rauskommen, oder ein paar Euro mehr haben. Das kommt Unternehmen gelegen.

Gelernt ist gelernt: Klaus David hat das Armaturenbrett einer Lok aufgeklappt, Kabel und Kontakte schauen heraus, David prüft die Spannung. Der Elektriker arbeitet an der Beleuchtung. „Bis zu 250 Meter Kabel werden für die LED-Umrüstung einer solchen Lok verwendet“, erklärt David im Nürnberger Bahnwerk. Er kennt die Fahrzeuge genau, arbeitet er doch schon seit 49 Jahren bei der Bahn. Eigentlich ist David längst im Ruhestand. Doch er macht weiter – so wie immer mehr Rentner in Deutschland.

Von der Jahrtausendwende bis 2016 stieg die Zahl der erwerbstätigen Rentner laut Bundesarbeitsministerium von 530.000 auf 1,45 Millionen. Jeder Zwölfte verdient sich heute im Ruhestand etwas hinzu.

Seit Anfang vorigen Jahres ist auch Klaus David Rentner. Doch an ein paar Tagen im Monat geht der 64-jährige weiter ins Werk, morgens um sechs. 24 Stunden macht er im Monat, rüstet an Fahrzeugen Beleuchtung und Klimaanlagen um, prüft Stromabnehmer. „In erster Linie ist es so, dass ich meine Rente aufstocken wollte“, erklärt der gelernte Starkstromelektriker. Da kam es David gelegen, dass der Chef ihn bat weiterzumachen.

„Senior expert“ nennt die Bahn rund 500 Kollegen, die als Rentner an Bord bleiben. Das Unternehmen will sich ihr Wissen und ihre Erfahrung länger sichern. Den Fachkräftemangel spürt nicht nur der Staatskonzern. Rentner springen für Bademeister in Freibädern ein, damit diese nicht schließen müssen. Sie tragen Zeitungen aus oder bleiben eben in ihren alten Jobs. Unter den Menschen mit 450-Euro-Jobs bilden Rentner laut Bundesagentur für Arbeit inzwischen die größte Gruppe. FRÜHRENTE Deutsche Rentenversicherung erlebt Ansturm auf Rente mit 63 EXKLUSIV Immer mehr deutsche Arbeitnehmer wollen nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung in Frührente gehen. Auslöser dafür ist das Flexirentengesetz von Niklas Hoyer

In den ersten drei Jahren nach Rentenbeginn arbeitet noch fast jeder Dritte, Frauen etwas häufiger als Männer. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf Grundlage einer Umfrage ermittelt. Um Fachkräfte zu sicheren, bildeten Menschen kurz oder in der Rente ein „bedeutendes Aktivierungspotenzial“, heißt es bei dem hauseigenen Institut der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle DPA

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